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Eindeutige Spurenlage belegt Biberaktivität im Schwerter Ruhrtal, September 2026 (K.&A.Matull)

Aktuelle Beobachtungen belegen die Aktivität von mindestens einem Biber im Schwerter Ruhrtal. In Schwerte selbst war uns bislang vor allem der Totfund eines einzelnen verwesten Tiers Anfang Oktober 2019 gegenüber dem Wellenbad Geisecke bekannt (vgl. → Jahresbericht Biologische Station Kreis Unna/Dortmund- Neues vom Biber und Fischotter 2020 , Seite 5). Umso erfreulicher sind die Nachweise frischer Fraßspuren. Im Rahmen unserer Erfassung dokumentierten wir die schrittweise Bearbeitung und Fällung eines Ufergehölzes fotografisch sowie anhand direkter und indirekter Spuren. Die exakten Fundortdaten wurden der Biologischen Station Unna/Dortmund übermittelt.

Es bleibt offen, ob die Aktivität auf einen durchziehenden Einzelbiber, eine vorübergehende Nutzung oder den Beginn einer Ansiedlung zurückgeht. Bei einer Nachkontrolle war das zuvor dokumentierte Stammmaterial am Fraßplatz verschwunden; eine Verlagerung durch den Biber erscheint plausibel. Der konkrete Verwendungszweck – etwa als Nahrungsdepot, Transport in geschützte Bereiche oder Baumaterial – lässt sich jedoch nicht feststellen.

Nach der dokumentierten Fraßaktivität folgte im unmittelbaren Nahbereich eine mehrtägige Pause. Auf dieser Grundlage wird in der Praxis nicht selten angenommen, dass das Tier weitergezogen ist. Dies kann jedoch auf einen Wechsel zu anderen Fraßplätzen im Aktionsraum, energetische Ressourcenschonung oder ein Durchziehen hindeuten, die genaue Ursache bleibt offen. Die Befunde unterstreichen den Wert fortlaufender Kontrollen im Ruhrtal. Aufschlussreich wären künftig weitere Fraßplätze, Wechselspuren, Materialtransporte, Duftmarken sowie Bau- oder Depotstrukturen.

Methodik und Spurenbild

Zur Zuordnung der Aktivität dienten charakteristische Nagespuren. Um Störungen sowie zusätzliche Geruchs- und Trittspuren im sensiblen Uferbereich – der im Umfeld ohnehin regelmäßig durch Publikumsverkehr genutzt wird – zu vermeiden, erfolgte die fotografische Erfassung mittels Teleobjektiv aus geschützter Distanz. Dokumentiert wurden partielle Entrindungen, frische Nagekanten, Holzspäne sowie eine sanduhrförmige Fällkerbe. Über Frischemerkmale wie den Verfärbungsgrad des Holzes, die Spanfeuchte und die Schärfe der Nagekanten erfolgte eine relative zeitliche Zuordnung. Zudem stellten wir eine ausgeprägte Wechselspur fest. Ein solches Wegenetz erleichtert dem Biber den Zugang zwischen Gewässer und Fraßplatz und ermöglicht bei Störungen ein rasches Abtauchen.

Chronologisch erste Aufnahme (1) unserer Dokumentation eines frischen Fraßplatzes an einem Ufergehölz im Schwerter Ruhrtal. Der Stamm zeigt eine für Bibernagespuren charakteristische, sanduhrförmige Einschnürung im Bereich der Fällkerbe. Die scharfen Zahnkerben der Nagezähne und das feuchte, noch unverfärbte Holz sprechen in Verbindung mit den Beobachtungsdaten für eine sehr rezente Fällaktivität, vermutlich aus der vorausgegangenen Nacht.
Vergleichende Nahaufnahme zweier Fraßbilder unterschiedlichen Alters im selben Uferbereich.

​(1) (Ältere Fraßspur / Baumkappung): Der gekappte Stumpf wurde bei der Kontrolle am 09.09. festgestellt. Das Holz hat sich durch die mehrstündige Einwirkung von Luft und Licht kräftig orange-braun verfärbt. Das zuvor eingeknickte Kronenmaterial war bei der Nachkontrolle am Fraßplatz nicht mehr auffindbar.

(2) (Neue Fraßspur / Partielle Entrindung): Eine frische, langgestreckte Fraßspur bei der Kontrolle am 10.09. Das Holz ist noch nicht nachgedunkelt, faserig und gelblich-weiß. Im Gegensatz zur vollständigen Kappung bei (1) wurde dieser Stammabschnitt zunächst nur längsseitig entrindet. Dieses Vorgehen ist damit vereinbar, dass das Tier vor allem Rinden- und Bastanteile nutzte. Eine partielle Entrindung kann einer späteren weitergehenden Bearbeitung oder Fällung vorausgehen, führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer vollständigen Fällung.
Nahaufnahme der fortgesetzten Aktivität. Am stehenden Stammabschnitt war gegenüber der vorherigen Dokumentation eine nach unten fortschreitende, vertiefte Bearbeitung des zuvor partiell entrindeten Bereichs festzustellen (3). Die frischen, tiefen Nagespuren im unteren Stammbereich dokumentieren eine zunehmende, fällungsnahe Bearbeitung des Gehölzes. Bei der darauffolgenden Kontrolle war der Stamm gefällt und nicht mehr am Fraßplatz auffindbar. Das Fehlen des zuvor dokumentierten Stammmaterials ist mit einer Verlagerung durch den Biber vereinbar. Ob das Material der weiteren Nahrungsnutzung im Gewässerbereich oder einer baulichen Verwendung diente, konnte nicht festgestellt werden. Auch die Ursache für das anschließende Ausbleiben weiterer frischer Spuren im unmittelbaren Nahbereich bleibt offen.