Am 19.10.2026 gelangen diese Bilder vom Kranichzuggeschehen.


Die letzte Woche brachte einiges an Bewegung in den Vogelzug. Leider konnte ich nur einiges davon selbst wahrnehmen. Deshalb möchte ich einmal meine Beobachtungen der letzten Tage in Unna vorstellen aber auch was wir, nach Deutschland weitem Trend, erfahren haben.
In den Tagen um den 13.10., mit diesem als Hauptzugtag, konnte ich persönlich nur wenig des Kleinvogelzugs erfassen. Bemerkenswert war jedoch die Zahl der Drosseln und ersten Finken, die in einem konstanten Strom sogar über Unna gezogen sind. Innerhalb von 10 Minuten konnte ich allein über 50 Sing-, 350 Rotdrosseln und nochmal 200 Buchfinken beobachten. Beachtet man die Daten von Trektellen, wird dies wohl einer der stärksten Kleinvogelzugtage der Saison gewesen sein.
Weiter ging es am 17.10. mit dem ersten Kranichmassenzug. Raus gelockt durch die Rufe hab ich an der Ostbürener Höhe für 2,5 Stunden gezählt. Bis auf die 9560 Kraniche war jedoch zu Beginn wenig los. Der Kleinvogelzug blieb vollständig aus. Als der Kranichstrom jedoch zum erliegen kam, fingen die Greifvögel an. Mit 19 Rotmilan, 15 Mäusebussarden, 4 Sperbern und einem Merlin eine beachtliche Zahl in gerade einmal 30 Minuten. Hierzu ist mir auch heute (21.10.) ein Trupp aus 15 Rotmilanen aufgefallen. Eine Art die ich so vorher noch nie in so großen Zugtrupps gesehen habe.
Auch wenn der Tagzug nur sehr spärlich war hat meine Auswertung des nächtlichen Vogelzugs vom 18.10. auf den 19.10. alle meine Rekorde gebrochen. Mit 143 Singdrosseln, 128 Rotdrosseln, 55 Rotkehlchen, 40 Amseln und 16 Feldlerchen, wurden meine bisherigen Rekorde etwa verdreifacht. Zieht man mein minimales Setup in betracht sind diese Zahlen schon außergewöhnlich. Wirft man einen Blick auf andere Stationen erreichte eine Niederländische Station die zweithöchste nationale Zahl mit über 3300 Singdrosseln und über 2000 Rotdrosseln in einer Nacht. Ein weiterer interessanter Nachweis gelang mir in der Nacht davor mit einem Goldregenpfeifer.
Um 12.40 Uhr zogen über Nordlünen mehrere kleine Ketten nach SW. Ab 14.10 Uhr folgten dann etwa eine halbe Stunde lang viele einzelne Ketten ,insgesamt wohl viele hundert.
Eine Einzelaufnahme dauert nicht lange, Serienfotos an und für sich auch nicht … am 16.10.2026 konnte ich einen (möglicherweise) Revierkampf dieser beiden Teichhühner innerhalb von 12 Sekunden, von 11:37:43 bis 11:37:55, mit der Kamera beobachten (49 Serienfotos).
Was ich sehen konnte, erinnerte mich sehr an Revierkämpfe von Blässhühnern, die in den Kämpfen mit ihren großen Füßen + Krallen den Rivalen unter die Wasseroberfläche zu drücken versuchten. Es sieht spektakulär, dramatisch und oft „brutal“ aus. Am Ende weiß der Unterlegene genau, wann er zu verschwinden hat … wie diesmal auch, als er sich Richtung Ufer flüchtete.
Am Tibaum sah ich am 16.10.2026 früh etliche Krickenten und auch Schnatterenten (der Wasserstand hat sich im Scheringteich seit einigen Regenfällen schon etwas erholt). Etwas später flatterten im Bereich der Ökologiestation in Bergkamen 2 Admirale herum, spät im Jahr. Der Fußweg zwischen der Ökostation und dem Aussichtsturm ist nun auch wieder frei von Fallobst … Wespen und Hornissen werden das vermissen!










In der Strickherdicker Feldflur fiel der erwartete Vogelzug am heutigen Vormittag weitgehend aus. Lediglich ein paar wenige Buchfinken, Wiesenpieper und einzelne Feldlerchen ließen sich blicken. Eigentlich hätten um diese Jahreszeit große Kleinvogeltrupps unterwegs sein müssen. Auch eine diesjährige Kornweihe zeigte kein Zugverhalten, sondern jagte immer wieder über Brachstreifen, einem nicht abgeernteten Getreidefeld bzw. über einer der beiden Feldvogelschutzflächen. Zu sehen waren hingegen ein ziehender Admiral, viele Weißlinge und ein makelloser Distelfalter, der wohl aus der zweiten Generation stammt und sicher erst vor kurzem geschlüpft ist. Die allermeisten Distelfalter dürften es bereits in südliche Gefilde geschafft haben.
Wanderfalken sieht man in dieser Feldflur regelmäßig. Ungewöhnlich ist hingegen die Beobachtung von zwei Vögeln gleichzeitig (13.10.). Es handelte sich um ein Weibchen und ein Männchen, die einträchtig in einem Hochspannungsmast saßen. Zwischenzeitlich mischte das Männchen Ringeltauben auf, blieb aber erfolglos. Das Weibchen war beringt, die Ringe konnten allerdings nicht abgelesen werden.



Die ersten Ergebnisse unserer Zählaktion sind leider ziemlich ernüchternd: trotz der ziemlich hohen Abdeckung (Nullwerte wurden offenbar – schändlicherweise auch von mir – nicht immer konsequent eingetragen) waren die Rastzahlen ernüchternd.
Zusammengenommen kommen wir für die wichtigsten Flächen des VSG Hellwegbörde und die bei der WVZ abgedeckten Feuchtgebiete nur auf wenige Hundert Kiebitze, meist in kleinen Trupps. Vom Goldregenpfeifer lagen nur drei Daten von max. 2 Vögeln vor.
Beim Kiebitz entspricht dies dem flächenhaften Rückgang, der offenbar auch das „europäische Hinterland“ Nord- und Osteuropas betrifft und nun zeitverzögert die Rastbestände bei uns. Noch vor 20 Jahren waren alleine auf den Strecken der „Haartour“ zwischen Lohne und Störmede an diesem Wochenende einige Tausend Kiebitze zu erwarten. Beim Goldregenpfeifer sieht es vielleicht etwas anders aus, da die Art bei uns im Binnenland später durchzieht und eher küstennah rastet.
Auch wenn es sicher für die meisten von euch – ebenso wie für mich – ziemlich frustrierend war, im Nieselregen durch tote Äcker zu fahren, haben wir einen wertvollen Beitrag zum Gesamtbild geleistet.
Dafür noch mal herzlichen Dank!
Ralf Joest
PS: Bitte denkt daran, ggf noch fehlende Daten einzutragen (auch ein paar Nullwerte bei kontrollierten Flächen) und auch in den nächsten Tagen noch auf rastende Trupps zu achten und ggf. zu melden!!!
Bei Sonnenuntergang flogen am 15.10. rund 2.000 Stare in den Schilfgürtel zum Schlafplatz auf der Röllingwiese in Schwerte ein. Kurz nach Beginn des Einflugs näherte sich ein Sperber im Tiefflug über der Wasserfläche dem Schlafplatz. Dieser Anstreichangriff löste ein sofortiges kollektives Abfliegen der Stare aus. Die Tiere formierten sich zu zwei dichten Schwarmkörpern (Murmuration), die in schnellen, richtungsvariablen Flugmanövern den Luftraum über dem Schlafplatz nutzten. Der Sperber war danach nicht mehr zu beobachten.
Im weiteren Verlauf trat ein Wanderfalke im 1. Kalenderjahr in Erscheinung. Trotz hoher Fluggeschwindigkeit und ausgeprägter flugakrobatischer Manöver blieben zwei Jagdversuche erfolglos. Beide Angriffe erfolgten vom höchsten Ansitz im Umfeld aus. Nach dem zweiten Versuch verließ der Falke das Gebiet in der Dämmerung in nordwestlicher Richtung. Anschließend kehrten die Stare zum Schlafplatz zurück.
Die Beobachtung entspricht dem bekannten Antiprädatorverhalten von Starenschwärmen: Die Bildung dichter, synchron manövrierender Schwarmkörper erschwert es Greifvögeln, ein Einzeltier zu fixieren (Konfusionseffekt).
Heute (18.10.) konnten wir bei nebeligem Nieselwetter zwischen den beiden Aussichtshügeln (zeitweise zusammen mit B. Nikula) in Fröndenberg auf der Kiebitzwiese u. a. Folgendes beobachten:
Unter ca. 80 Stockenten befanden sich eine Spießente, 4 Löffelenten, 13 Schnatterenten und 4 Krickenten. Dazu kamen mindestens 3 Wasserrallen, ein Eisvogel, 3 Zwergtaucher (für das Gebiet eher ungewöhnlich), eine Bekassine, 2 Graureiher, 3 Silberreiher, 2 Schwarzkehlchen (1,1) und eine Rohrammer. Außerdem waren Wiesenpieper in unbestimmter Anzahl anwesend, darunter möglicherweise Bergpieper. Am Ruhrufer balzten 2 Kolkraben.
Vor allem die Schwarzkehlchen werfen Fragen auf. Im zeitigen Frühjahr waren noch zwei Paare auf der Kiebitzwiese anwesend, während der gesamten Brutzeit gelang jedoch kein Nachweis mehr. Dagegen überwintert mindestens ein Paar seit zwei Jahren sicher im Gebiet.




Im Rahmen einer europaweiten Erfassung von Goldregenpfeifern der „International Wader Study Group“ wurden an diesem Wochenende in NRW schwerpunktmäßig auch Kiebitze gezählt. Die NWO ermittelt die Rastbestände nach 2008, 2014 und 2020 nun zum vierten Mal, um in der Agrarlandschaft gleichzeitig den Wert der bevorzugten Rasthabitate in ihrer Bedeutung hervorzuheben. Traditionell gibt es im südlichen Kr. UN nach meinen Beobachtungen 4 Schwerpunkträume, in denen in zurückliegenden Jahren teils Hunderte Kiebitze (manchmal mit Goldregenpfeifern vergesellschaftet) teils über Wochen gerastet haben. Die Karte unten zeigt diese vier Schwerpunkträume mit Rastbeständen der ersten Oktoberhälfte 2026. Das NSG Hemmerder Wiesen wird traditionell meist erst in der zweiten Winterhälfte bei hohen Wasserständen zur Rast aufgesucht. Die „Tücke der Technik“ erbrachte leider am jetzigen Wochenende in der verabredeten Synchronzählung in allen vier Gebieten heute nur noch einen einzigen Kiebitz.
Nebenher ergaben sich in der ersten Oktoberhälfte auch andere bemerkenswerte Zugbeobachtungen: am 03.10 in der Strickherdicker Feldflur u.a. 8 Schwarzkehlchen, ein letztes Braunkehlchen und ein letzter Gartenrotschwanz, ein erster Bergfink, erste Rotdrosseln und sich verstärkender Einflug von Feldlerchen und Wiesenpiepern. Am 13.10. eine erste Kornweihe (weibchenfarben, Hemmerder Wiesen), ein erster Merlin (Hemmerder Ostfeld), starker Einflug von Ringeltauben in dreistelliger Truppstärke. Am 15.10. ein artreiner Trupp von 15 rastenden Heidelerchen auf Stoppelbrache östl. Frdbg.-Frömern und ein zweiter Merlin nördl. UN-Westhemmerde. Am 17.10. der von vielen Beobachtern gemeldete erste Massenzug von nachmittags Tausenden Kranichen mit einem sehr frühen Trupp von 26 Exmpl. um 10.25 Uhr bei noch sehr schlechter Sicht im Nieselregen. 45 (erste) Blässgänse über den Hemmerder Wiesen. Absolutes Highlight des Tages eine Sumpfohreule um 9.25 Uhr im Hemmerder Ostfeld, die aus NW kommend zielstrebig aus größerer Höhe eine Feldvogelschutzfläche (Ackerbrache/Dörgänger) zur Landung ansteuerte.











Auch hier Kranichzug: Am späten Nachmittag zwei kleine Trupps Richtung Südwesten.
17.10.2026, 12:20 : Ca. 300 Kraniche Richtung Süden ziehend machen sich mit ihrem unverkennbaren Rufen über Ardey bemerkbar.
Mittags, bis 12.20 Uhr mehrere Trupps Kraniche (ca. 400) über Mühlhausen nach Südwest.
Die Zahl der Blässgänse im Lippetal in Alstedde hat deutlich zugenommen. Folgende Gänse habe ich heute gezählt: 8 Kanadagänse, etwa 70 Graugänse und eine große Gruppe mit etwa 380 Exemplaren,überwiegend Blässgänse mit einigen Nilgänsen dazwischen.
Am 13.10.2026 konnte ich einen Seeadler von ca. 11:30 bis 12:30 Uhr auf dem Storchennest an der Röllingwiese in Schwerte beobachten.
Er wurde von zwei Elstern etwas geärgert. Später ist er ruhrabwärts geflogen.



Zeichnungen und Formen der Nachtfalter sind faszinierend und möglicherweise auch ein Teil der Kommunikation des Verbundsystems Natur.
Ein gelegentlicher Blick an der Außenlampe auf der Terasse kann sich deshalb lohnen: An der UV-Party-Lampe auf meiner Terrasse hatte ich in diesem Jahr allein bis Mitte Juni 94 verschiedene Nachtfalter-Arten. Bis Ende September 2026 immerhin 171 Nachtfalter-Arten. Dieses Jahr war allerdings mager – durch die Trockenheit wohl auch insgesamt in der Insektenwelt. Zum Vergleich: 180 Nachtfalter-Arten in 2024 und 228 in 2025.
Obwohl ich seit August 2023 zähle, sind auch in 2026 etwas über 10 % der festgestellten Arten erstmals auf der Liste. Das hält die Sache interessant. Außerdem gibt es viel „Beifang“, wie etwa das Weibchen des Nashornkäfers und um 15 Arten Köcherfliegen, wo mir vorher nicht bekannt war, dass es mehr als eine Art gibt…..



Im Lippetal in Alstedde hielten sich heute im Bereich des Fuchsbaches 150 Blässgänse auf. Das ist der erste größere Trupp, den ich in dieser Saison gesehen habe. In der letzten Woche waren nur einzelne Familien zu sehen.