Rohr- und Wiesenweihen stehen im Anhang I der 2009 von der Europäischen Gemeinschaft erlassenen Vogelschutzrichtlinie. In diesem Anhang sind alle in Europa existenzgefährdeten Arten aufgeführt, für deren Schutz die Mitgliedsstaaten besondere Schutzmaßnahmen ergreifen müssen. Die geeignetsten Gebiete für die gelisteten Arten sollten außerdem als besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden.
In Mittelwestfalen haben beide Arten innerhalb NRWs ihren Verbreitungsschwerpunkt, bei der Wiesenweihe insbesondere im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde (VSG). Das bedeutende Vorkommen der beiden Weihen- und weiterer, europaweit gefährdeter Vogelarten war auch der Grund, die Hellwegbörde an die EU zu melden. Neben dem überwiegenden Flächenanteil im Kreis Soest erstreckt sich das Gebiet auch auf Teilflächen in den Kreisen Unna und Paderborn.
Seit mehr als ein halbes Jahrhundert bemühen sich ehrenamtliche und später auch amtliche Naturschützer, das Überleben der beiden Weihenarten in unserer Region zu sichern. Da die Getreideernte meist vor dem Flüggewerden der Jungvögel beginnt, werden Schutzzonen in Absprache mit den Landwirten auf Getreideflächen eingerichtet und bei der Ernte ausgespart. Die Landwirte erhalten hierfür eine Entschädigung. Gelege der Wiesenweihe werden zusätzlich mit einem Metallzaun gesichert, um Prädation durch Bodenfeinde zu verhindern. Zuvor müssen jedoch zunächst die genauen Brutplätze durch intensives Beobachten ausfindig gemacht werden. Unterstützt durch Ehrenamtliche vor Ort werden die Schutzbemühungen von den Weihenfachleuten der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest (Biostation) auch im Unnaer Raum durchgeführt.
Das Jahr 2026 war ein außergewöhnlich gutes „Weihenjahr“. Allein im Osten von Unna und angrenzenden Randbereichen konnten insgesamt sieben Rohrweihenbruten nachgewiesen werden, so viele wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Hinzu kommen noch einzelne Rohrweihen, die Balzverhalten zeigten, für die aber ein eindeutiger Brutnachweis nicht erbracht werden konnte. Von der Wiesenweihe brütete in den zurückliegenden Jahren im Kreis Unna und speziell in der Unnaer Hellwegregion immer nur ein Paar – und das auch nicht in jedem Jahr. Umso erfreulicher war es, dass 2026 sogar zwei Wiesenweihenpaare nachgewiesen werden konnten. Von den vier Altvögeln war ein Männchen beringt. Es war 2020 als Nestling im Raum Ense markiert worden und ließ sich 2024 einige Kilometer östlich vom Geburtsort als Brutvogel identifizieren. Aktuell befindet es sich im siebten Kalenderjahr.
Eines der beiden Wiesenweihenpaare brütete in einem Wintergerstenfeld und brachte dort drei Jungvögel zum Ausfliegen. Das andere Wiesenweihenpaar brütete in einem Roggenfeld, war aber trotz Errichtung eines Schutzzaunes erfolglos. Es konnten nur noch die Überreste der halbgroßen Jungvögel und des Weibchens in unmittelbarer Nestnähe gefunden werden. Die Ursache des Verlustes bleibt unklar. Interessanterweise brütete kaum 100 m von diesem Wiesenweihenbrutplatz entfernt im selben Roggenfeld ein Rohrweihenpaar. Auch diese Brut blieb erfolglos, weil schon frühzeitig das Gelege prädiert worden war.
Die weiteren Rohrweihenbruten entfielen auf 1x in Raps, Brut erfolglos (Gelege prädiert); 1x in Tritikale, Brut erfolglos (Gelege prädiert); 1x in Wintergerste, Brut erfolglos (Trotz vorheriger Absprache wurden die im Nest befindlichen Jungvögel aus Versehen ausgemäht noch bevor eine Schutzzone eingerichtet werden konnte.); 2x in Wintergerste, Bruten in Schutzzonen erfolgreich mit 3 bzw. 4 Jungvögeln; 1x in Brachfläche, speziell für den Weihenschutz angelegt, Brut erfolgreich mit 3 Jungvögeln. Insgesamt waren also vier der sieben nachgewiesenen Rohrweihenbrutpaare erfolgreich und brachten 10 Jungvögel zum Ausfliegen. Dies ist trotz einiger Verluste immer noch ein relativ gutes Ergebnis. Unter den Verlustursachen spielt Prädation (vornehmlich wohl durch den Fuchs) eine große Rolle.
Warum in diesem Jahr so viele Weihenpaare aufgetaucht sind, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Ein ausgesprochen gutes Mäusejahr war 2026 sicherlich nicht, wenngleich lokal auch hohe Mäusedichten nachgewiesen werden konnten. Es wird spannend sein, wie sich die Bestände beider Arten in den nächsten Jahren entwickeln.
Der Dank der OAG geht an die aktiven Weihenschützer der ABU für ihre Bemühungen und an die Landwirte, die die Schutzmaßnahmen unterstützt haben.





























































































































