Am Samstag (18.07.) gelang im Schwerter Elsebachtal eine völlig unverhoffte Beobachtung: Eine gurrende Turteltaube konnte zuerst akustisch vernommen und nach langem Ausharren auch fotografisch belegt werden. Das Gebiet ist durch ein abwechslungsreiches Mosaik aus offener Kulturlandschaft, lichten Bachauen und altholzreichen Laubmischwaldstrukturen geprägt. Zudem gelangen in der näheren Umgebung weitere Beobachtungen: Neben zwei Schwarzspechten fielen etwa vier Haubenmeisen auf. In einem im Frühjahr erfassten Revier konnte zudem Nachwuchs bei den Grauschnäppern bestätigt werden. Des Weiteren wurden mindestens drei Waldlaubsänger bei lebhaften Verfolgungsflügen in einem bekannten Revier beobachtet, wobei sie ihren typischen Gesang kurz erklingen ließen, sodass eine Artverwechslung ausgeschlossen und eine erfolgreiche Brut naheliegend ist. Auf einer Kalamitätsfläche hielten sich zwei diesjährige Neuntöter auf.
Bei einer heutigen Nachkontrolle (20.07.) konnte die Turteltaube nicht mehr nachgewiesen werden. Ergänzende Arten zu Samstag waren heute im Gebiet unter anderem zwei Kernbeißer, ein Gimpel (1,0), eine Gebirgsstelze, zwei bettelnde Mäusebussarde, eine Hohltaube sowie mehrere Bunt- und Grünspechte.
Gestern (19.07.) konnte zudem eine erfolgreiche Brut für die Girlitze im Industriegebiet nördlich der Kiebitzwiese in Fröndenberg nachgewiesen werden, wo sich mindestens zwei nahrungssuchende Individuen zwischen Zypressen und einer Hängebirke bewegten, während ein Vogel ausgiebig exponiert sang. Mindestens ein anwesender, diesjähriger Jungvogel konnte anhand seines stark gestreiften, braungrauen Jugendkleids ohne gelbe Federpartien bestimmt werden, während er den nahrungssuchenden Altvögeln folgte. Zudem ließen sich in der Sichlerbucht auf der Kiebitzwiese mindestens zwei Wasserrallen mit ihren charakteristischen Lautäußerungen tief aus den Binsen vernehmen. Am Rande der Kiebitzwiese am Neimener Bach Richtung Sichlerbucht hielt sich eine Neuntöter-Familie mit drei diesjährigen Jungvögeln auf.
Im Wassergewinnungsgebiet in Holzwickede u. a. drei Silberreiher und drei Kiebitze, davon mindestens ein diesjähriger. Als ergänzende Information sei hier erwähnt, dass ein Kiebitzpaar im Frühjahr dort erfolgreich gebrütet hatte und Ende April vier Pulli führte. (Beob.: M. Michaelis)
Heute auf der Röllingwiese in Schwerte u.a. ein rastender Flussuferläufer.
Das typische sommerliche Gurren der Turteltaube, das vielen Menschen aus früheren Sommern noch als allgegenwärtig in Erinnerung ist, stellt heute eine extreme Seltenheit dar. Auch wenn eine einmalige akustische Feststellung Mitte Juli einen erfreulichen temporären Nachweis liefert, aber noch kein sicheres (Brut-)Revier bedeutet, zeigt sie doch, dass die Art die Region nutzt. Laut aktuellen Daten (vgl. Brüggeshemke et al. 2025) bieten großflächige Waldschäden durch Dürre und Borkenkäfer mancherorts neue, lichte Strukturen, die theoretisch als potenzielle Habitate fungieren können- Bedingungen, wie sie durch diese Dynamiken in den letzten Jahren auch im Elsebachtal vermehrt vorzufinden sind. 18.07.2026 (Tonaufnahme: Andre Matull)Wenn man sich vor Augen führt, welche drastischen Bestandseinbrüche mit ca. 75 % seit den späten 1990ern diese Art in den letzten Jahrzehnten verzeichnen musste (Brüggeshemke et al. 2025), wird das ganze Ausmaß der Krise deutlich. Als Vogel des Jahres 2020 in Deutschland stand sie als erste Art global gefährdet auf der weltweiten Roten Liste der IUCN (Weltnaturschutzunion). Es ist ein Paradoxon: Während fast jeder die liebevolle Bezeichnung „Ihr Turteltäubchen“ aus dem Alltag kennt, wissen die allermeisten Menschen heute gar nicht, wie dieser Vogel überhaupt aussieht. Neben der starken Bejagung während des Zugs wird diese dramatische Entwicklung vor allem auf die Intensivierung der Landwirtschaft und den damit einhergehenden Verlust ihrer Nahrungsgrundlage – insbesondere von Ackerbeikräutern – zurückgeführt (Brüggeshemke et al. 2025). Aus naturschutzfachlicher Sicht hochgradig kontraproduktiv stellt sich dazu die Situation auf den Zugwegen dar: Nach einer spürbaren Erholung, weil die Jagd auf dem westeuropäischen Zugweg in Portugal, Spanien und Frankreich vorübergehend für die Jahre 2021 bis 2024 einstellte, wurde dieses Jagdmoratorium in 2025 leider nicht aufrechterhalten (Brüggeshemke et al. 2025). Die weiterhin legale Bejagung dieses hochgradig bedrohten Vogels in Südeuropa bleibt angesichts des Gefährdungsstatus ein eklatantes Defizit im internationalen Artenschutz. Aus all diesen Gründen macht dieser fotografische Blick aus dem Schwerter Elsebachtal auf die Kostbarkeit dieses Augenblicks überaus spürbar und stimmt gleichzeitig zutiefst demütig. 18.07.2026 (Foto: Andre Matull)
Quelle für die Fachdaten: Brüggeshemke, J., K. Berlin, R. Dröschmeister et al. (2025): Vögel in Deutschland – ADEBAR 2. DDA, BfN, LAG VSW; Münster.
Grauschnäpper mit Beute für den Nachwuchs am 18.07.2026. (Foto: Andre Matull)Grauschnäpper-Altvogel (links) und frisch ausgeflogener, diesjähriger Jungvogel (rechts) mit markant geflecktem Jugendgefieder am 18.07.2026. (Foto: Andre Matull)Einer der beiden Schwarzspechte auf Nahrungssuche im Totholzbestand am 20.07.2026. (Foto: Andre Matull)Singender Girlitz am Rande der Kiebitzwiese am 19.07.2026. (Foto: Andre Matull)Rehbock auf „Kneippkur“ im Vernässungsbereich der Kiebitzwiese am 19.07.2026 – mangels gefiederter Besucher der einzige Gast zu Wasser. (Foto: Klaus Matull)Die Brutsaison 2026 neigt sich dem Ende zu und alle sieben flugfähigen Jungstörche werden sich bald auf den Weg machen. Ein besonderer Anblick war in dieser Saison der Hochsitz (unten, vier Jungvögel) als eher seltener Brutplatz, der den erfolgreichsten Brutplatz mit der höchsten Anzahl an Jungvögeln im westlichen Ruhrtal des Kreises Unna für Fröndenberg und Schwerte aufwies. 19.07.2026 (Foto: Klaus Matull)Analog zum Nachwuchs auf der Kiebitzwiese präsentieren sich an der Röllingwiese in Schwerte drei flugfähige Jungstörche von der dortigen Nisthilfe aktiv und eigenständig beim Nahrungserwerb im Wasser. 20.07.2026 (Foto: Klaus Matull)Ein rastender Flussuferläufer auf der Röllingwiese in Schwerte als typischer Gast des beginnenden Limikolen-Wegzugs. 20.07.2026 (Foto: Klaus Matull)