Die ersten Junitage brachten in den verschiedenen Beobachtungsgebieten eine faszinierende Dynamik aus dramatischen Revierkämpfen, unerfreulichen und erfreulichen Nachweisen sowie methodisch anspruchsvollen Kartierungen.
An der Schwerter Röllingwiese dokumentierte Peter Krüger am 01.06. ein extremes Drama: Ein hochgradig aggressiver Kampf zwischen 2 Höckerschwänen endete für einen der Kontrahenten tödlich. Ein weitaus erfreulicheres Bild bot sich ebenda am 05.06. mit der Sichtung einer Schnatterenten-Familie, bei der das Weibchen 10 Pulli führte.
Die bereits von H. Knüwer gemeldeten 3 Flussregenpfeifer auf der Fröndenberger Kiebitzwiese balzten am 04.06. unvermindert weiter; am 07.06. konnten noch zwei Individuen bei rasanten Verfolgungsjagden beobachtet werden. Ein hoch ostwärts überfliegender Großer Brachvogel stellte insbesondere zu diesem Zeitpunkt eine Besonderheit dar. Zudem sang ein Gelbspötter in den Hecken am alten Aussichtshügel, während sich im selben Gebüsch 2 Kuckucke eine spektakuläre Verfolgungsjagd lieferten. Im angrenzenden Industriegebiet zeigten sich 2 Girlitze. Das Wasserwerksgelände Hengsen (Holzwickede) stellte mit 17 nahrungssuchenden Weißstörchen einmal mehr seine Bedeutung als Trittsteinbiotop unter Beweis.
Ein Schwerpunkt der aktuellen Erfassungen lag im waldreichen, von Kalamitäten und Windkraftflächen geprägten Waldgebiet südlich von Gut Bockelühr (Schwerte). Bei einer mehrstündigen Begehung am 05.06. gelangen hier unverhoffte Nachweise, darunter 5 Haubenmeisen in 4 Revieren ( 3x Fichte- einmal Kiefer) sowie mindestens 5 singende Baumpieper, von denen einer einen sicheren Brutplatz aufsuchte. Auf einem verblühten Rapsfeld nahe dem Gut verweilten mehrere Familienverbände mit über 20 Bluthänflingen, mehr als 50 Stieglitzen suchten dort nach Nahrung, und ebenso viele Stare nutzten die Flächen intensiv. Flankiert wurde das Bild durch einen singenden Gelbspötter.
Weiter nördlich, im Übergang zum südlichen Schwerter Elsebachtal, konnten im Radius von etwa 0,85 km neben 4 Waldlaubsängern und einem weiteren Haubenmeisenrevier auch 3 Grauschnäpperreviere erfasst werden. Eine besondere Augenweide war hier die Bodenfütterung zweier diesjähriger Kernbeißer durch einen Altvogel.
Gerade die Suche nach dem Grauschnäpper offenbarte jedoch eine hochspannende methodische Facette. Während die altbekannten und etablierten Brutplätze aus den Vorjahren wertvolle Anhaltspunkte für die gezielte Nachsuche lieferten, lauerte die eigentliche Überraschung an einer bislang völlig unauffälligen Stelle. Hier lieferte eine spezielle Vogelstimm-App den entscheidenden Erstverdacht. Da solche digitalen Helfer bekanntlich nur als Indiz, niemals aber als zweifelsfreier Beleg dienen dürfen, war detektivischer Ehrgeiz gefragt. Nach intensiver Suche konnte der Vogel schließlich tatsächlich visuell bestätigt werden.
Diese Entdeckung wirft ein Schlaglicht auf die Erfassungsproblematik der Art: Im vielstimmigen, morgendlichen Vogelkonzert geht der Grauschnäpper mit seinen extrem hochfrequenten Rufen und Gesängen in Richtung des dichten Baumkronendachs im Wald akustisch nahezu vollständig unter. Die Kartierung ist unter diesen Umständen methodisch sehr anspruchsvoll.
Die Parallelen zu Bernhard Glüers fundierter Girlitz-Analyse vom 09.07.2023 sind dabei geradezu verblüffend und lassen sich fast deckungsgleich auf den Grauschnäpper übertragen. Was damals für die Bönener Friedhofsgirlitze beschrieben wurde – die Tücke der rasch wechselnden, exponierten Singwarten, das Problem der nachlassenden Wahrnehmung hochfrequenter Töne im Alter und die enorme Dunkelziffer scheinbar „singulärer“ Sänger –, gilt eins zu eins auch hier.
Zweifellos hat der Grauschnäpper einen dramatischen Bestandseinbruch erlitten. Doch die aktuelle Beobachtung verdeutlicht, wie leicht dieser unauffällige Insektenjäger schlicht überhört oder übersehen werden könnte.












