Wie im vergangenen Jahr wurde ein Beobachtungsplatz östlich von Fröndenberg-Bausenhagen bezogen. Gezählt wurde vom 05.08. bis 27.09. (insgesamt an 53 Tagen) von 8.00 Uhr bis mindestens 12.00 Uhr (oft auch bis 12.30 Uhr). Am 06.08. fand keine Zählung statt und am 13.08., 14.08. und 03.09. musste die Beobachtungszeit wegen Dauerregen deutlich verkürzt werden. Insgesamt investierten wir 209 Stunden. Damit entspricht der Beobachtungsrahmen in etwa dem des Vorjahres. Allerdings hatte sich die Flächennutzung deutlich verschoben. Der unserem Standort vorgelagerte Acker, im letzten Herbst ein Rapsstoppelacker mit überdurchschnittlich vielen Braunkehlchen, Steinschmätzern und Stelzen, präsentierte sich als staubtrockener Getreidestoppelacker. Kleinvogelarten nutzten diese Fläche fast gar nicht (s. hierzu auch die Meldung von B. Glüer vom 03.09.26 zur Rasthäufigkeit von Kleinvogelarten auf Rapsstoppeläckern). Das Hauptaugenmerk galt insbesondere den Greifvögeln (egal ob stationär oder ziehend). Ausgewählte andere Arten wurden nur „als Beifang“ mitgezählt. Notiert wurde für jede festgestellte Art jeweils eine gesicherte Mindestzahl gleichzeitig anwesender Vögel. Gerade bei den Mäusebussarden, Rotmilanen und z.T. auch bei Rohrweihen war es nicht immer einfach, die tatsächliche Anzahl festzustellen, weil sich ziehende und stationäre Vögel (von Ausnahmen abgesehen) nicht auseinanderhalten ließen. Die reale Gesamtzahl lag sicherlich um Einiges höher als das, was notiert wurde. Nicht enthalten sind auch solche Vögel, die erst gar nicht entdeckt wurden oder die zu hoch oder zu weit entfernt vorbeiflogen, um sie eindeutig bestimmen zu können. Es sei auch darauf hingewiesen, dass nachmittags nicht gezählt worden ist. Auch das kann bei einzelnen Arten zu einer gewissen Schieflage beigetragen haben. Trotz dieser Unzulänglichkeiten lässt sich folgendes Fazit ziehen.
Musste die letztjährige Beobachtungsserie bereits als insgesamt unterdurchschnittlich eingestuft werden, fiel das Ergebnis in diesem Jahr noch deutlich schlechter aus. Nur die vergleichsweise hohe Zahl durchziehender Rohrweihen und die hohe Zahl der gleichzeitig anwesenden Rotmilane lässt sich positiv herausstellen. Demgegenüber blieb erneut die Zahl der ziehenden Wespenbussarde weit hinter den Erwartungen zurück. Auch gelangen nur wenige Beobachtungen von Fischadlern und auch Baumfalken.
Kornweihen, Merline oder Rotfußfalken wurden überhaupt nicht gesehen. Auffällig war die erstaunlich hohe Zahl an Kolkraben mit einmal sogar 30 gleichzeitig anwesenden Individuen. Eine solche Massierung hat es in den vergangenen Jahren im Südkreis unseres Wissens nach noch nicht gegeben. Für die regelmäßiger gesehenen Arten sind jeweils der prozentuale Anteil der Vormittage, an denen die Art festgestellt werden konnte, weiterhin die durchschnittliche Anzahl Individuen einer Art an Tagen mit entsprechenden Nachweisen und schließlich die maximale Anzahl einer Art an einem Vormittag angegeben. Die Reihenfolge richtet sich nach der Antreffhäufigkeit.
Mäusebussard: (100%, durchschnittlich 5, max. 15)

Mäusebussarde waren an allen Vormittagen anwesend. Im Mittel hielten sich fünf Individuen gleichzeitig im Gebiet auf. Herausragend war der 25.08. mit insgesamt 15 Individuen. Die Mehrzahl der Bussarde bestand aus Jungvögeln. Bei der Nahrungssuche saßen die Vögel oft am Boden auf vegetationsfreien Ackerflächen oder rüttelten darüber nach Art der Turmfalken. Bildete sich Thermik, sah man viele Bussarde kreisend in z.T. extremer Höhe.

Rotmilan: (98%, durchschnittlich 8, max. 19)

Von Beginn an bis etwa Mitte September hielten sich etwa 4-5 Rotmilane im Gebiet auf; am 30.08. sogar acht. Ab Mitte September gab es deutlichen Zuzug. Oft kamen Rotmilane aus NO-Richtung eingeflogen. Das war insbesondere am 19.09. der Fall. Gleichzeitig waren einige in SW-Richtung unterwegs. Insgesamt haben also mehr Vögel das Gebiet aufgesucht als angegeben. Denn in der Übersicht sind nur die gleichzeitig anwesenden Vögel aufgeführt. Maximal waren 19 Rotmilane gleichzeitig zu sehen. Das Verhältnis Alt- zu Jungvögeln lag etwa bei 1:3. Dass viele Rotmilane aus nordöstlich gelegenen Brutgebieten zugeflogen waren, ließ sich auch anhand flügelmarkierter Jungvögel ableiten. An vier Vormittagen sahen wir so markierte Milane. Drei verschiedene Jungvögel konnten identifiziert werden. Sie stammten allesamt aus dem Großraum Bielefeld. Wie auch schon bei anderen Greifvogelarten feststellbar, scheinen junge Rotmilane gerne Fangen zu spielen. Insbesondere bei windigen Bedingungen greifen sie allerlei „Spielzeug“ vom Boden auf (z.B. Stroh, Grasbüschel, Äste, Maiskolben), trugen es in die Luft, ließen es wieder fallen und versuchten, es erneut zu erhaschen. Oft beteiligten sich daran mehrere junge Milane und versuchten, das jeweilige Spielzeug selbst zu ergattern. Altvögel beteiligten sich an diesen Spielereien nicht.





Turmfalke: (98%, durchschnittlich 3, max. 13) Fast an jedem Vormittag gelang die Beobachtung von Turmfalken. Neben Mäusebussarden und Rotmilanen waren Turmfalken am regelmäßigsten zu sehen. Die Zahl schwankte zwischen 1 und 6. Herausragend war allerdings der 19.08.. An diesem Vormittag hielten sich sogar 13 Turmfalken gleichzeitig im Gebiet auf.

Rohrweihe: (72%, durchschnittlich 3, max. 8)

In früheren Meldungen wurde bereits darauf hingewiesen, dass 2026 ein besonders gutes Jahr für Weihen war. Dementsprechend verwundert es auch nicht, dass vergleichsweise viele durchziehende Rohrweihen – mehrheitlich Jungvögel – gesichtet wurden. Allein am 24.08. zogen an einem einzigen Vormittag acht Rohrweihen durch.


Sperber: (53%, durchschnittlich 2,5, max. 6)

Sperber ließen sich nicht an jedem Tag blicken. Möglicherweise wurden auch Vögel, die flach am Boden gezogen sind, erst gar nicht gesehen. Etliche Sperber nutzten aber auch aufsteigende Luftströmungen, um sich kreisend in große Höhen tragen zu lassen. Interaktionen mit Mäusebussarden, Rotmilanen, Kolkraben, Dohlen oder Rabenkrähen waren wiederholt zu beobachten. Soweit das Alter und Geschlecht bestimmt werden konnten, handelte es sich bis zum Ende der Zählperiode überwiegend um diesjährige Weibchen, die auch als erste den Zug eröffnen. Bedenkt man, dass in Falsterbo/Südschweden bis zum 27.09. mehr als 19.300 Sperber gezählt worden sind, fallen die hier registrierten Sperberzahlen doch sehr bescheiden aus.


Habicht: (30%, durchschnittlich 1, max. 1) Im Beobachtungssektor gelangen Beobachtungen von drei verschiedenen Habichten. Es handelte sich um zwei diesjährige Vögel (m und w) sowie um einen männlichen Altvogel.

Wanderfalke: (23%, durchschnittlich 1, max. 1) Ein diesjähriges Weibchen tauchte häufiger auf (20.08, 29.08. – 03.09.,10.09., 12.09., 17.09., 19.09., 20.09.) Nach der Gefiederzeichnung und dem Verhalten dürfte es immer derselbe Vogel gewesen sein. Auf Fotos war zu erkennen, dass der Falke beringt ist. Leider konnte der Kennring nicht abgelesen werden.

Wespenbussard: (nur ziehende Vögel: 16%, durchschnittlich 2,5, max. 5)

Zu Beginn der Zählperiode sahen wir nur lokal ansässige Wespenbussarde. Häufiger tauchte ein Männchen mit zerschlissenen Schwanzfedern auf. Dieses Männchen landete zweimal auf dem Boden und suchte umherlaufend in einer Brachfläche Nahrung. Außerdem konnte B. Glüer den Vogel auch beim Transport einer Wabe beobachten, was als Brutnachweis gedeutet werden kann. Ein dunkel gefärbtes Weibchen könnte Partner dieses Männchens gewesen sein. Die ersten eindeutig ziehenden Wespenbussarde sahen wir am 21.08.. Es handelte sich bei den vier Individuen um Altvögel. Erst am 27.08. zog ein erster Jungvogel zielstrebig in SW-Richtung. Insgesamt konnten nur 16 ziehende Wespenbussarde gesehen werden. Das ist eine extrem schlechte Quote! Die äußerst geringe Wespenbussard-Zahlen verwundern, zumal in Falsterbo bis zum 26.09. rund 5.500 Wespenbussarde gezählt worden sind. Das ist eine Größenordnung, die sogar über dem langjährigen Mittelwert liegt. Erstaunlich ist auch, dass im Raum Münster bei überwiegend Ganztageszählungen erstaunlich viele Wespenbussarde gesehen wurden, so z.B. 108 am 21.08., 64 am 25.08. oder 65 am 01.09. Nach bisherigen Erfahrungen zieht ein Großteil der Wespenbussarde, wenn auch längst nicht alle, vornehmlich am Nachmittag durch. Da unsere Zählungen aber nur am Vormittag stattfanden, wäre es denkbar, dass wir den Großteil der ziehenden Wespenbussarde verpasst haben. Schaut man sich die bei Ornitho eingegebenen Zufallsbeobachtungen an, die ja auch Nachmittagsbeobachtungen beinhalten, dann finden sich aus dem Kreis Unna und aus angrenzenden östlich gelegenen Regionen aber ebenfalls kaum Meldungen mit größeren Anzahlen. Die Schlussfolgerung daraus lautet, dass fast keine Wespenbussarde vorhanden waren, die das Beobachtungsgebiet hätten passieren können. Wir gehen davon aus, dass der Hauptzugkorridor weiter westlich verläuft und Bausenhagen nur marginal am Rande tangiert wird.






Baumfalke: (9,5%, durchschnittlich 1, max. 1) Wir notierten je einen Baumfalken am 20.08., 21.08., 05.09., 11.09. und 17.09. Zumindest bei den ersten drei Beobachtungen handelte es sich jeweils um einen mehrjährigen Vogel. Es ist durchaus denkbar, dass es sich eventuell um Brutvögel aus der näheren bzw. weiteren Umgebung gehandelt hat, zumal junge Baumfalken oft noch bis Mitte September von den Altvögeln versorgt werden.

Schwarzmilan: (7,5%, durchschnittlich 1, max. 1) An nur vier Vormittagen sahen wir je einen Schwarzmilan (07.08., 21.08., 22.08., 19.09.). Bei den ersten drei Sichtungen wurde jeweils ein Altvogel gesehen. Bei dem Schwarzmilan vom 19.09. handelte es sich um einen Jungvogel.
Wiesenweihe: (6%, durchschnittlich 1, max. 1) je eine am 11.08., 14.08., 01.09. Trotz des herausragenden Wiesenweihenjahres gelangen nur drei Zugbeobachtungen, allesamt von Jungvögeln. Eine plausible Erklärung dafür haben wir nicht.
Fischadler: (6%, durchschnittlich 1, max. 1) Auffällig war die geringe Zahl der gesehenen ziehenden Fischadler; je einer am 21.08., 14.09. und 18.09.. Wir hatten mit deutlich mehr Fischadlern gerechnet.
Kolkrabe: (91%, durchschnittlich 6, max. 30)

Im Brutvogelatlas, der den Zeitraum bis einschließlich 1999 umfasst, war der Kolkrabe noch nicht als Brutvogelart im Kreis Unna aufgeführt. Nach der aktuellsten Einschätzung der OAG hat es erst seit 2006 vereinzelt Bruten im Nord- und Südkreis gegeben. Die Art verdichtet ihr Brutvorkommen von Jahr zu Jahr. Da die Art nicht zieht, lassen sich Kolkraben ganzjährig beobachten. Im Durchschnitt sahen wir sechs Vögel, vermutlich einen Familienverband. Aber erstaunlich war, dass an drei Vormittagen mehr als 15 Kolkraben zu sehen waren, einmal sogar 30 (!) am 18.09.. Solch große Ansammlungen hat es in zurückliegenden Jahren (zumindest im Südkreis) nie gegeben. Die Vögel verbrachten viel Zeit damit, am Rande eines Maisfeldes Kolben herunterzureißen, die Hüllblätter zu entfernen und die Maiskörner zu fressen. Dies taten sie oft in Gemeinschaft mit Rabenkrähen und Dohlen. Imposant waren auch die Flugspiele, die oft paarweise ausgeführt wurden.

Abschließend noch eine stichwortartige Auflistung weiterer Beobachtungen:
Kormoran: 3 (09.08.), 7 (14.08.), 1 (20.08.), 43 (25.08.), 35 (27.08.), 5 (01.09.), 32 (07.09.), 12 (08.09.), 1 (12.09.), 12 (15.09.), 7 (17.09.), 6 (18.09.), 9 (19.09.), 15 (22.09.); Graureiher: 1 (25.08.), 2 (26.08.), 1 (03.09.), 5 (08.09.), 1 (16.09.); Weißstorch: 8 (07.08.), 3 (08.08.), mind. 30 (12.08.), 9 (12.08.),2 (31.08.), 2 (10.09.); Schwarzspecht: 1 (07.09, 11.09., 12.09); Mauersegler: 1 (09.08.), 1 (20.08.), 1 (25.08.), 1 (05.09.); Steinschmätzer: 4 (26.08.), 1 (04.09.), 1 (17.09.) – Die geringe Anzahl ist vermutlich auf das Fehlen geeigneter Rastflächenstrukturen zurückzuführen. Braunkehlchen: 5 (26.08.), 1 (15.09.) – Auch auf diese Art dürfte die für Steinschmätzer geäußerte Annahme zutreffen. Neuntöter: mehrfach ein Familienverband (mit 5 Jgv.) bis 16.08., 1 zuletzt am 20.08.; Kiebitz: 11 (26.08.), 6 (15.09.); Bekassine: 2 (21.09.); Goldregenpfeifer: 1 (23.09.); Brachvogel: 1 (07.09.); Kleinspecht: 1 (12.09.); Silberreiher: 2 (26.08)
