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Fröndenberg: Waldschnepfen, 27.01.2026 (B.Glüer)

Am Abend, um 18.15 Uhr, weniger als 20 m vor unserer Haustür eine ruhende Waldschnepfe in einer kleinen Gehölzgruppe. Auch noch nach 19.00 Uhr ist sie vor Ort, jedoch gegen 23.00 Uhr ist sie nicht mehr auffindbar. Auf dem nahen Golfplatz um 18.47 Uhr, bei anhaltendem, leichtem Regen mit Restschneeflächen, zwei weitere Waldschnepfen nahe beieinander. Möglicherweise bringt die derzeitige Wetterlage mit extremer Kälte im Osten und feuchtwarmer Witterung im Westen, mit einer Trennlinie genau durch NRW Zugbewegungen und „Kälteflucht“ in die Winterbestände.

Waldschnepfen gehören sicher zu den am schwierigsten zu erfassenden oder zu beobachtenden Vögeln unserer Avifauna. Sie sind und waren nie häufig, treten meist einzeln sehr versteckt in Wäldern/Gehölzen auf und sind dabei auch noch vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Im Brutvogelatlas NRW wird der Bestand auf 3000 – 5500 Bp. geschätzt. Die meisten heimischen Brutvögel verlassen unsere Region im Winter, während nord- und osteuropäische Schnepfen (nach „Handbuch der Vögel Mitteleuropas“) bei uns – jenseits einer 2°C-Isotherme überwintern und auch Schnee- und Frostperioden lokal überstehen.

Seit dem 26.11.25 gelangen bisher im nördlichen Fröndenberg 27 Waldschnepfen-Nachweise.  Meist waren es Zufallsfunde, 6x mit Einsatz von Wärmebild-Technik (davon 1x bei Tageslicht, am 08.01. um 9.34 Uhr). Ob es an unterschiedlichen Tagen auch zu Mehrfachzählungen derselben Individuen gekommen ist, lässt sich nicht sagen.

Dabei ist es unbegreiflich, dass dieser charismatische Vogel traditionell bei uns bejagt wird. Im November 2014 wurde zwar von der damals „rot-grünen“ Landesregierung die Jagd auf Waldschnepfen durch ein neues Jagdgesetz abgeschafft, doch im Jahre 2018 wurde dann von der „schwarz-gelben“ Nachfolgeregierung trotz dünner Datenlage und rückläufiger Waldschnepfenbestände die Jagd von jeweils Mitte Oktober bis Mitte Januar wieder eingeführt. Laut amtlicher Jagdstatistik wurden in der Jagdsaison 2024/25 in NRW 2401 Waldschnepfen abgeschossen. Ein Jahr zuvor (23/24) waren es sogar 3032 geschossene Schnepfen.

Ein aufregender „Klecks“ unweit unserer Haustür (Frdbg.-Hohenheide) mit Wärmebild-Technik in abendlicher Dunkelheit sichtbar gemacht: eine ruhende Waldschnepfe, 27.01.2026 (Foto: Bernhard Glüer)
… unter Einsatz von schwachem Kunstlicht gelingen mit 500 mm – Tele und 40 000 ISO einige Fotos, ohne dass der Vogel auffliegt…, 27.01.2026 (Foto: Bernhard Glüer)
… bei dieser zufällig entstandenen Serie des Vogels während er gähnt, wird sogar eine sehr interessante Fähigkeit der Schnepfe sichtbar: der Oberschnabel ist an einer weichen Stelle biegsam. Das versetzt die Schnepfe beim Stochern in die Lage, mit dem komplett im Boden „versenkten“ Schnabel Beutetiere zu ertasten und mit zitternden Bewegungen zu verschlucken, ohne dass der Schnabel herausgezogen werden muss…, 27.01.2026 (Foto: Bernhard Glüer)
… bei einem anschließenden Regenspaziergang finden sich auf dem nahen Golfplatz ca 100 m neben einem Wanderweg zwei weitere Waldschnepfen hinter einem Gehölzsaum. Laut „Handbuch“ passiert es eher selten, dass Waldschnepfen während der Überwinterung die Gesellschaft von Artgenossen suchen, 27.01.2026 (Foto: Bernhard Glüer)