Schwerte: Schnatterente 22./27.10.2018 (Jörn Lehmhus – Hans Hoachim Göbel)

27.Oktober 2018

Jörn Lehmhus hat auf Nachfrage dankenswerterweise in Bezug auf die am 22.10.2018 in der Röllingwiese beobachtete, abweichend gefärbten Ente zur Frage Schnatterente oder Schnatterenten-Hybrid mitgeteilt:

Das ist bei diesem Vogel, den Sie beobachtet haben, nicht sicher zu sagen. Der Vogel auf Seite 26 [der Veröffentlichung in den AVES Braunschweig] hat einen deutlichen Grünglanz am Kopf und eine zwar geschupte Brustzeichnung, aber eben in stockentenbraun. Auch die Schirmfedern sind breiter als bei Ihrem Vogel. All die genannten Merkmale deuten auf die Stockente. Ungewöhnlich ist der Vogel auf Seite 26 vor allem durch den ganz schwarzen Schnabel.
Ganz so einfach finde ich das bei Ihrem Vogel nicht. Es gibt keine sichtbaren Merkmale, die klar auf Beteiligung ener anderen Art hinweisen. Es könnte also auch eine fehlfarbene Schnatterente sein. Es gibt eben auch Schnatterenten die dieses Kopfmuster zeigen und sonst in allem völlig einer Schnatterente entsprechen.
Da Hybriden zwischen Anas-Arten fruchtbar sind, könnte eine Stockenteneinkreuzung mit anschließender Rückkreuzung der Hybriden mit Schnatterente, die ein paar Generationen zurückliegt, eine Rolle gespielt haben und eine solche Farbvariante in die Schnatterentenpopulation gebracht haben. Wenn eine ein paar Generationen zurückliegende Hybridisierung und anschließende Rückkreuzungen mit Schnatterente zu dem Kopfmuster geführt haben, ist nicht nur die Stockente ein Kandidat für diese zurückligende Hybridisierung. Mit sehr vielen Arten bildet die Schnatterente diese hellen, oft bräunlichen Wangen und die dunkle Kappe. Beispiele:

Hybrid mit Spießente: http://www.pbase.com/image/91466045

Hybrid mit Löffelente: https://macaulaylibrary.org/asset/89577041

und das sind nicht alle Schnatterentenhybriden mit aufgehellten Wangen und dunkler Kappe.

Aus genetischen Untersuchungen an Schnatterenten auch aus Asien deutet sich an, auch eine lang zurückliegende Hybridisierung mit einer anderen Entenart könnte da eine Rolle gespielt haben. Es gibt nämlich Schnatterentenpopulationen mit der Mitochondrien-DNA der Sichelente. Mitochondrien sind ja Zellorganelle mit eigener DNA und werden normalerweise nur über die Mutter vererbt. Bedeutet auch von dieser Seite kann diese Kopfzeichnung in die Schnatterentenpopulation gekommen sein, und somit das letzte Anzeichen einer sehr lang zurückliegenden stärkeren Hybridisierung darstellen.

Aber Varianten in der Kopffärbung gibt es auch bei anderen Schwimmenten, z.B. die vor allem von Jägern so genannten Storm Wigeons, eine Variante der Kanadapfeifente Anas americana

Storm Wigeon

[Jerry Ting Storm Wigeon auf Flickr https:// www.flickr .com/photos/jerryting/ 39225883022]

Dann wären diese „Schnatterenten mit dunkler Kopfkappe“ vielleicht auch einfach nur eine ähnliche seltene genetische Variante, die durchaus zufällig innerhalb der Art entstanden sein kann.

Es gibt damit also mehrere Möglichkeiten , die sich rein visuell nicht sicher klären lassen…wenn ansonsten alles genau zur Schnatterente passt wie hier, würde ich den Vogel rein visuell als Schnatterentenvariante betrachten.

Eine ein paar Generationen zurückliegende Hybridisierung könnte die Zeichnung erklären. Aber ich denke, genauso ist eine natürlich in der Schnatterentenpopulation selbst entstandene Variante möglich, ohne Hybrideinfluss. Das ist natürlich jetzt Spekulation, basierend auf den folgenden Beobachtungen:

Die Kopfzeichung des Schnattererpels hat sowieso eine kaum erkennbare Teilung in 2 Bereiche, ich nenne sie jetzt mal Wangen- und Kappenbereich. Die Kappe und die Wange sind beide hell-dunkel gesprenkelt. wobei die Flecke im Kappenbereich dazu tendieren größer zu sein als die im Wangenbereich. Meist sieht man das nur ansatzweise, wie hier:

https://www.arkive.org/gadwall/anas-strepera/

Es kann jedoch auch deutlicher werden indem die Flecke im Kappenbereich größer werden und zusammenlaufen, während sie im Wangenbereich kleiner und blasser werden und dann verschwinden, wie hier:

https://download.ams.birds.cornell.edu/api/v1/asset/31125491/large

http://toronto-wildlife.com/Birds/Ducks/more_ducks_gadwall.html

Noch etwas stärkeres Zusammenlaufen der Flecke in der Kappe:

https://www.tn.gov/content/tn/twra/wildlife/birds/gadwall-duck-anas-strepera/jcr%3acontent/contentFullWidth/tn_panel/content/tn_columnctrl/column_parsys1/tn_image.img.jpg/1518815757337.jpg

https://www.tn.gov/content/dam/tn/twra/images/Gadwall-Duck-Adult-Male-3.jpg

Das Extrem ist dann die ganz dunkle Kappe und ganz helle Wange. Mein Eindruck ist, dass das in Nordamerika häufiger ist als in Europa.

Es wird sogar in künstlerische Darstellungen der Schnatterente übernommen:

https://godinart.com/wp-content/uploads/2016/02/POST1PRODUCTIMAGEGADWALLDRAKE.jpg

Entengruppe mit Hybrid, Röllingwiese Schwerte, 22.10.2018 Digiskopie: Hans Joachim Göbel

Entengruppe mit Hybrid, Röllingwiese Schwerte, 22.10.2018 Digiskopie: Hans Joachim Göbel

Schnatterenten-Hybrid? Röllingwiese Schwerte, 22.10.2018 Digiskopie: Hans Joachim Göbel

Schnatterenten-Hybrid? Röllingwiese Schwerte, 22.10.2018 Digiskopie: Hans Joachim Göbel

Schnatterenten-Hybrid? Röllingwiese Schwerte, 22.10.2018 Digiskopie: Hans Joachim Göbel

Schnatterenten-Hybrid? Röllingwiese Schwerte, 22.10.2018 Digiskopie: Hans Joachim Göbel

Porträt, Röllingwiese Schwerte, 22.10.2018 Digiskopie: Hans Joachim Göbel

Porträt, Röllingwiese Schwerte, 22.10.2018 Digiskopie: Hans Joachim Göbel

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